Chefkuratorin Rieke Harmsen über die Gründung von Ausstellung leihen

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Rieke Harmsen

Rieke Harmsen, Sie haben mit ausstellung‑leihen.de eine Plattform aufgebaut, die Ausstellungen mobil macht. Wie kam es zu dieser Idee? 
Ich habe viele Jahre in Kirchen und öffentlichen Orten kuratiert und dabei immer wieder erlebt, wie viel Energie und Wissen in eine Ausstellung fließt – und wie schnell sie wieder verschwindet. Ich wollte Formate schaffen, die weiterleben. Ausstellungen, die dorthin reisen, wo Menschen sie wirklich brauchen: in Schulen, Gemeinden, Kulturzentren, in Bildungseinrichtungen oder Kommunen - vor allem im ländlichen Raum, wo viele Einrichtungen finanziell nicht so viele Möglichkeiten haben, eine ganze Ausstellung zu stemmen. So entstand die Plattform ausstellung‑leihen.de – zunächst als kleines Experiment, heute als Plattform mit zahlreichen gesellschaftspolitischen Ausstellungen, die bundesweit unterwegs sind. 

Wodurch zeichnet sich die kuratorische Arbeit aus? 
Wir arbeiten konzeptuell und erzählerisch. Jede Ausstellung braucht für mich eine klare Dramaturgie und eine starke innere Stimme. Ich komme aus dem Journalismus – dieses präzise, aber zugängliche Erzählen prägt meine kuratorische Haltung. Mich interessiert, wie sich komplexe Themen wie Flucht, Widerstand, Klimagerechtigkeit oder digitale Ethik so vermitteln lassen, dass sie Menschen berühren, ohne sie zu überfordern. Ich verbinde Text, Fotografie, Audio und partizipative Elemente. Ausstellungen sollen Räume öffnen, nicht schließen. 

Viele Ihrer Ausstellungen widmen sich einem gesellschaftspolitischen Thema, warum?
Ich sehe mich als Vermittlerin. Meine Ausstellungen wollen keine Position verordnen, sondern Perspektiven sichtbar machen. Wenn ich etwa „Rebellinnen“, „Klimagerecht leben“ oder „Fake News“ kuratiere, geht es mir darum, Menschen einzuladen, sich mit ihrer eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Kuratorisches Arbeiten ist für mich eine Form des Dialogs: Wir erzeugen Resonanzräume, in denen Geschichten nachhallen dürfen. 

Was unterscheidet ausstellung‑leihen.de von klassischen Ausstellungsorten? 
Wir sind kein Museum. Unsere Wanderausstellungen sind mobil, digital und flexibel. Die meisten unserer Ausstellungen haben hybride oder digitale Komponenten: Wir arbeiten mit QR-Codes, Audio, Video, Online-Galerien, Gaming-Elementen. Institutionen können sie unkompliziert ausleihen und in ihren Kontext übertragen. Das ermöglicht eine große Reichweite und demokratisiert Kulturvermittlung. Eine Ausstellung läuft nicht nur vier Wochen in einem Museum – sie kann hunderte Orte erreichen. 

Sie arbeiten auch international und interdisziplinär. Was reizt Sie daran? 
Verschiedene Disziplinen bringen andere Sehweisen mit. Ich arbeite mit Fotograf:innen, Aktivist:innen, Theolog:innen, Historiker:innen oder Journalist:innen. Dieses Zusammenspiel erzeugt Tiefe. Und international zu arbeiten schärft den Blick. Wir erzählen Themen wie Migration, Glaube oder Gerechtigkeit nicht nur lokal, sondern als Teil weltweiter Erfahrungen. 

Was treibt Sie als Kuratorin persönlich an? 
Ich glaube an die transformative Kraft von Narrativen. Geschichten können Identität stiften, Mut machen, Perspektiven öffnen. Wenn eine Ausstellung am Ende nicht nur informiert, sondern einen emotionalen Abdruck hinterlässt, dann ist etwas gelungen. Und natürlich fasziniert mich, dass Ausstellungen nicht mehr statisch sind. Sie bewegen sich – durch Räume, durch Hände, durch Gespräche. Genau das möchte ich ermöglichen. 

 

Rieke Harmsen ist Kuratorin, Kommunikationsberaterin und Storytelling-Expertin. Sie konzipiert, begleitet und realisiert Ausstellungen an der Schnittstelle von Kultur und Digitalität. 

Ihre Leistungen:
• Ausstellungskonzepte: Dramaturgie, Storyline, Themenführung
• Narrative Entwicklung und Textarbeit (inkl. Leitthemen & Vermittlung)
• Digitale Ausstellungsformate & Micro-Exhibitions
• Kuratorische Beratung für Museen, Stiftungen, Kirchen und NGOs
• Projektleitung & redaktionelle Qualitätssicherung

Melden Sie sich bei
Rieke Harmsen, rharmsen@epv.de