Elly Wurm über Flucht und Vertreibung im zweiten Weltkrieg

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Verena Berg: Vertrieben | Elly Wurm

Die haben zu meiner Mutter gesagt. Nur eins habe ich mit Schmunzeln als erwachsene Tochter immer zu hören bekommen als du ein Säugling warst. Da ist also ein Säugling warst und ich deine Windel auf die Leine im Hof aufgehängt hatte, sagten die Nachbarn zu mir Sie werden ein unruhiges und lustiges Kind haben. Das stimmt auch. Ja, Kind haben, denn die Windeln drehen sich wie verrückt im Wind um die Leine. Bemerkung Es gab keine Pampers Pampers, Windel. Und das stimmte auch. Ich war ein lustiges Kind, hatte nur Dummheiten im Kopf, gerade mit Vorliebe lustige Verse und erheiterte damit Muttis Geburtstagsgäste, die wie immer zahlreich erschienen waren. Auch meine Mutter eine lustige, lebhafte Frau war. Ich weiß noch genau, ich saß immer, wenn Gäste kamen, unterm Tisch. Und dann habe ich Gedichte vorgetragen. 

Alles, was ich nicht öffentlich zu zeigen will, habe ich hier auf dem Berg. Pico war schön gewachsen, war so schön von Angesicht als Diplom. Vergissmeinnicht. Überschrift der Veilchen Unser im Himmel am Himmel. Jetzt auf einmal ist das, wie ich mein armes Ding, wie meine Seele, die Nase des Lebens, der Familie, sie zu nehmen. Aber ja, klein unsereiner sagen, das sind die Namen von Zimmer. Da war ja auf jeden Fall die Schule, und es war so, wie es auf den Schulen unser Heim usw ist ja auch lausig und so und ohnehin. Denn du bist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, Das weiß ich jetzt noch nicht. Und dass, das habe ich mit Wonne gelernt, dass das Lotsen in meinem Herzen verloren ist, dass schlimm? Du musst immer bei mir sein. Das ist Mittelhochdeutsch Und dann litauisch. 

Ach du Sch. Agata war. Kalt. Nein, Nein. Meine Großmutter wohnte ja in den Bergen. Und da war hier die Memel. Das war ja der oberste Fluss von Ostpreußen. Und da war es Litauen. Und da war das genauso wie hier Französisch, Deutsch. Und da war oben litauisch, deutsch. Und da konnte ich, hat meine Großmutter mir gesagt Das musst du lernen, das können sie, das und das alles. Und dieses wird Polen, das ist alles. Polen, Pommern kommen. Durchkommen. Sind wir durch? Hier sind sie gewesen, in dieser Stadt. Da sind wir lange, lange Zeit gewesen, weil wir nicht mehr konnten. 

Es ging Endlich mal Hunger und Hunger und Kälte und Krankheiten. Ach ja, und wir mussten über das Eis, weil es frisch und da ist. Da ist sind die Leute versunken ins Wasser. Ach ja, das war ja, das war ja so vor allen Dingen Angst. Wir wussten ja, dass sie das nicht vergewaltigen, dass die Burschen keine Frauen gehabt haben, den ganzen Krieg keine Frauen gehabt und und die waren natürlich scharf auf die deutschen Frauen. Und da sehe ich mich noch in oben, in 32 Personen in einem Raum. Die waren als Flüchtlinge nicht und und als. Und dann kamen wir. Die Russen schlugen die Tür ein. Wir machten nicht auf. Zu Anfang hatten sie Angst. 

Und dann kamen die Russen rein und dann kamen Frau, Frau, Kommissarin. Und dann. Ich war. Ich war noch verschont. Ich bin Gott sei Dank verschont geblieben von Ihnen, weil ich einen ganz bösen Trick erfunden hatte. Als die Russen immer so kamen. Und ich saß, und die Kinder lagen unter dem Klavier und bei fremden Leuten in den fremden Wohnungen, die. Die Leute waren alle schon weg. Und wenn wir benutzten diese Wohnung als Unterkunft, wir mussten doch irgendwo bleiben, schlafen und und und Oder ein bisschen warm oder ein bisschen was trinken und dann Kinderlachen unterm Klavier. Das war so ein bisschen schützend und so und ich war in der Klavierecke in der Ecke mit einer alten Oma, die die die hatte, auch die, die wusste auch nicht wohin. Und dann kamen immer die Russen und holten die Frauen, die. Manche Frauen saßen dann auf den Stühlen, so artig wie ich es sitze. Und und und. Haben nun gewartet, dass das eine sie holt oder wegbringt. Und da haben sie nicht geahnt, wohin sie kommen. Der nächste Morgen. Aber da war ein Zimmer mit Bett und da mussten sie alle rein. Und ich hatte davor Angst. Entsetzliche Angst. 

Ich dachte an meinen Mann. Und da. Und da habe ich so gemacht. Ach, Sie haben sich quasi behindert. Als ob ich behindert wird. Dass ich behindert werden soll. Die Zunge richtig raushängen und stöhnte. Und, und und Alles. Und die Augen verdreht. Und dann kamen die Russen. Und. Die wollen wir nicht. Da haben sie mich zufrieden gelassen. Das war meine Rettung. Das war ein Einfall von mir. Weil ich nicht wusste, wie ich mich halten sollte. Und da habe ich die Nähmaschine eingefädelt. Ich konnte. Ich konnte nähen. Ein bisschen so als Kind habe ich schon immer genäht. So ein bisschen. Und dann habe ich gesagt Das mache ich. Meine Mutter war das. Wenn die Russen kam und sagte Hier Frau klein oder groß oder was, was sie dann sagen konnten. 

Da muss man ein Wort Deutsch. Und dann sagt meine Mutter nie Doch, ich muss, ich kann doch nicht. Ich habe doch noch kein Kleid genäht. Und ich kann nicht. Aber Menschenskind, die nehmen jeden. So haben sie immer gesagt. Es ist nicht. Das heißt, es ist völlig egal. Also den waren auch nicht. Auch egal, ob da nun der Knöpfchen so oder so oder so was war. Die wollten bloß ein schickes Kleid, oder? Dann manchmal war es zu groß. Da musste ich kleiner machen. Manchmal war es zu klein, dann musste ich es größer machen. Dann kam die Männer und und, und brachten Hosen und sagt Frau, mach, mach hier Frau, mach dir klein. Also ich weiß nicht, ob zu klein, zu groß. Ich weiß es nicht mehr. Dann. Dann. Dann habe ich dann die Männer. Dann sagten sie Wir kommen auch. Anpassen. Und das konnten sie sagen. Komm, anpassen, dann kommen wir. Und da habe ich gesagt Nein, nein, nein.

Ich hatte Angst, sie ziehen sich aus und dann sind sie nackt. Und das muss ich auch. Und da habe ich gesagt Nein, nein, ich mache das schon so, und es war doch immer gepasst. Und dann. Dann haben Sie die Badewanne. Haben Sie nicht gewusst, wo Sie kacken sollten? Dann haben Sie in die Badewanne geschissen. Zu Deutsch gesagt Ich würde sagen, das muss man wirklich so sagen. Hingesetzt. Und dann kam Ach Gott, da sitzt schon wieder einer. Und da haben die die Badewannen vollgeschissen Mit. Mit! Mit! Mit! Mit allem. Und, Und, und. Pipi und alles. 

Alles da rein. Und dann? Was, wenn. Wenn zuvor. Wenn. Wenn ich es mir ablief. Dann mussten wir Frauen. Wir deutschen Frauen. Ich war ja mit dabei. Eine Zahnärztin. Ich war noch dabei. Und die? Wo ist die geblieben? Die. Da mussten wir mit dem Eimer ausschöpfen. Diese Kacke. Und dann haben wir sie runtergetragen. Noch Tropfen der Darm, die ganzen Treppen voll. Meine Mutter lief hinterher und hat diese Kacke abgewischt. Damit. Damit wir nicht auf der Treppe noch ausgleiten. Da habe ich den Namen gefunden mit der Frau Zahnärztin. Die haben wir beide getragen, diese Kackeimer. Und er sagt Das sagte ich immer. Jetzt sind wir akademische Kackeimer trägerinnen

AUSSTELLUNG "FLUCHT UND VERTREIBUNG"

Was bedeutet uns die Heimat? Was empfinden Menschen, wenn sie vertrieben werden? Die Wanderausstellung "Vertrieben" mit Fotos von Verena Berg gibt einen Einblick in die Emotionen und Empfindungen, Biografien und Geschichten.

Der Zweite Weltkrieg hat eine beispiellose Völkerwanderung in Europa ausgelöst. Mehr als 12 Millionen Menschen mussten fliehen und eine neue Heimat finden. Verena Berg hat Menschen porträtiert, die diese Vertreibung am eigenen Körper erlebt haben.

Die Ausstellung umfasst zwei Texttafeln mit allgemeinen Informationen sowie 20 Bildtafeln. Die Alu-Dibond-Tafeln sind 500 x 750 mm groß.  Die Ausstellung eignet sich für Bildungseinrichtungen, Kommunen, kleinere Museen oder Gemeinden. 

Jetzt die Ausstellung im Shop buchen.

 

TOOLKIT AUSSTELLUNG "VERTREIBUNG" 
 

In unserem Onlineshop finden Sie ein umfangreiches Materialpaket zur Ausstellung. Unser Toolkit Vertrieben: Generation "neue Heimat" ist ein PDF zum Download. Es enthält

  • Informationen zur Fotografin
  • Links zu Artikeln
  • Videomaterial mit Audiospuren der Zeitzeugen
  • Protokolle der portraitierten Zeitzeugen

Hier geht es zum Toolkit