Evangelisches Kloster Schwanberg: So kuratieren wir Ausstellungen
Als Kuratorinnen und Produzentinnen durften wir bei ausstellung leihen dieses besondere Jubiläumsprojekt von der ersten Idee bis zur Umsetzung begleiten.
Geschichte sichtbar machen
Die Communität Casteller Ring gehört zu den prägendsten evangelischen Frauengemeinschaften in Deutschland. Für die Ausstellung galt es, historische Entwicklungen, spirituelle Erfahrungen und persönliche Lebensgeschichten in eine zeitgemäße, zugängliche Form zu übersetzen.
Gemeinsam mit der Auftraggeberin entwickelten wir ein Ausstellungskonzept, das historische Fotografien, biografische Erzählungen und spirituelle Themen miteinander verbindet. Im Mittelpunkt steht dabei die Gründerin Christel Schmid, deren Vision einer geistlichen Gemeinschaft „mitten in der Welt“ die Communität bis heute prägt.
Zugleich sollte die Ausstellung nicht nur informieren, sondern berühren. Persönliche Stimmen der Schwestern schaffen einen Erfahrungsraum, in dem Fragen nach Berufung, Gemeinschaft und Sinn für die Besucherinnen und Besucher unmittelbar erfahrbar werden.
Mehr als eine klassische Ausstellung
Moderne Ausstellungen leben von unterschiedlichen Zugängen. Deshalb wurde die historische Präsentation um mehrere interaktive und mediale Elemente erweitert.
Im Kreuzgang des Klosters ergänzt die Klanginstallation „Anklang, Geviert“ des Münchner Künstlers Ben Wesch die Ausstellung und verbindet Geschichte mit einer sinnlichen Erfahrung im Raum. Darüber hinaus entstand eine digitale Erweiterung mit Interviews, Audioaufnahmen, Filmen und Fotografien, die auch über den Besuch vor Ort hinaus einen Zugang zum Leben der Communität ermöglicht.
Ein Kunstautomat mit kleinen Objekten und spirituellen Impulsen lädt die Besucher zusätzlich dazu ein, ein Stück der Ausstellung mit nach Hause zu nehmen.
Hier können Sie ein Stundengebet der Schwestern anhören.
Hier finden Sie die Video-Reportage zur Communität Casteller Ring.
Unsere Arbeit als Kuratorinnen
Für dieses Projekt übernahmen wir die komplette kuratorische Konzeption und Umsetzung:
- Entwicklung des inhaltlichen Gesamtkonzepts
- Recherche und Sichtung historischer Materialien
- Auswahl und Redaktion von Bild- und Textinhalten
- Dramaturgie der Ausstellung
- Entwicklung interaktiver Elemente
- Koordination von Künstlern und Projektpartnern
- Produktion der analogen und digitalen Ausstellungsmodule
Die Ausstellung entstand im Auftrag der Communität Casteller Ring und wurde von Dr. Rieke C. Harmsen und Celine Edinger kuratiert.
Hier finden Sie die Pressemitteilung zur Ausstellung.
Hier gelangen Sie zur Website des Klosters Schwanberg mit Informationen zur Ausstellung.
Sie planen eine Ausstellung?
Ob Jubiläum, Kirchengeschichte, Unternehmensgeschichte, kulturelles Erbe oder gesellschaftliches Thema: Wir entwickeln Ausstellungen, die Inhalte verständlich, emotional und zeitgemäß vermitteln.
Von der ersten Idee über die Recherche und Konzeption bis zur Produktion begleiten wir Projekte jeder Größe. Dabei verbinden wir historische Kompetenz mit innovativen Vermittlungsformen – analog, digital oder hybrid.
Sie möchten Ihre Geschichte in einer Ausstellung erzählen?
Dann sprechen Sie uns an. Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein individuelles Ausstellungskonzept, das Menschen erreicht und nachhaltig begeistert.
👉 ausstellung leihen – Konzeption, Kuratierung und Produktion von Ausstellungen aus einer Hand.
Eröffnung der Ausstellung zum Jubiläum des Evangelischen Klosters auf dem Schwanberg im Juli 2026.
Vortrag zur Eröffnung der Ausstellung am 19. Juli 2026 im Evangelischen Kloster Schwanberg
Vortrag Ausstellung „75 Jahre Communität Casteller Ring”
Kuratorin Celine Edinger / Rieke Harmsen
(Sperrfrist: 19. Juli 2026, 13 Uhr)
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, liebe Schwestern der Communität,
im Namen des gesamten Teams von ausstellung leihen bedanke ich mich für die Einladung und freue mich, mit Ihnen heute die Eröffnung der historischen Ausstellung „75 Jahre Communität Casteller Ring – eine Zeitreise“ eröffnen zu dürfen. Meine Kollegin und Mitkuratorin Dr. Rieke Harmsen sowie der Künstler Benjamin Wesch, der die Audioinstallation im Kreuzgang geschaffen hat, können heute leider nicht kommen und lassen Sie herzlich grüßen, wir haben diesen Text gemeinsam vorbereitet.
Kuratieren heißt Geschichten zu erzählen, rote Fäden zu finden und die Dinge zusammen zu bringen. Sie, liebe Schwestern, haben sich eine historische Ausstellung zum 75-jährigen Jubiläum gewünscht. Wir waren uns schnell einig, dass wir zwar die Vergangenheit erlebbar machen wollen, aber auch in die Gegenwart blicken möchten, beispielhaft mit dem FriedWald und der Oblaten-Gemeinschaft.
Fast zwei Jahre lang haben wir als Team diese Ausstellung entwickelt. Rieke Harmsen war bei Ihnen und hat in Ihrer Bibliothek und in Ihrem Archiv Dokumente und Materialien gesichtet. Zusammen mit dem Filmemacher Axel Mölkner-Kappl und der Redakteurin Christina Argilli hat sie Video-Interviews geführt, bis das Konzept stand.
Ich durfte mich dann mit all dem gesammelten Material der Kuration und Gestaltung der Ausstellung widmen. Es war meine Aufgabe, aus den vielen Archiv-Bildern eine Auswahl zu treffen, sie mit den Texten zusammenzubringen und die Hängung im Raum zu planen. Das Format der langen Banner, die nach und nach im Grafik-Programm meines Laptops entstanden sind, ist eine ästhetische Besonderheit, die viel Raum für Kreativität ließ.
Die Ausstellung, die Sie nun sehen, webt ein Netz zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Die Banner, die Sie im Eingangsbereich der Kirche betrachten können, schildern die Geschichte und zeigen historische Fotografien aus den Anfängen Ihrer Communität. Ergänzt werden diese durch aktuelle Porträts einzelner Schwestern, die einen ganz persönlichen Einblick in ihren Lebensweg geben.
Vergangenheit und Gegenwart verbindet auch die Audio-Installation des Münchner Künstlers Benjamin Wesch im Kreuzgang. Grundlage für das Kunstwerk bildet eine Studioaufnahme des Morgengebets. Der Musiker Christoph Lefherz und unser Producer Micha Götz waren einen Tag bei Ihnen, um den Ton professionell aufzuzeichnen.
Benjamin Wesch hat aus diesen Stimmen ein Klangnetz gewoben, die einzelnen Stimmen ertönen mal leise, mal lauter, getrennt voneinander oder zusammen, sie werden generisch, also über ein KI-gestütztes Computerprogramm miteinander kombiniert, sie ergeben also immer neue Klangmuster. Die Audioinstallation ist eine poetische Reise durch die Zeit, ebenso einmalig wie Ihr Gesang, der jeden berührt und mitnimmt, der ihn einmal erlebt hat.
Wir haben lange überlegt, wie wir den Glauben, die spirituellen Impulse, die Sie mit Ihrer Arbeit und Ihrem Leben in einer Communität in die Gesellschaft aussenden, veranschaulichen können. Herausgekommen ist ein spielerisches, interaktives Objekt für alle Besucherinnen und Besucher: Der Kunstautomat am Aufgang zum Kreuzgang bietet Ihnen, liebe Gäste, die Möglichkeit, ein kleines Stück der Communität mit nach Hause zu nehmen. Der Kunstautomat ist gefüllt mit kleinen Objekten, die Ihr Herz und Ihre Seele erfreuen: Wer eine kleine Kiste aus dem Automaten erwirbt, erhält ein Amulett mit einem Labyrinth, eine Kette mit einem Kreuzanhänger, ein Armband mit Tonperle oder eine kleine Vase, alles aus der Töpferei des Klosters. Das fünfte kleine Souvenir ist ein kleiner Engel als Handschmeichler. In jeder Kiste findet sich zudem eine kleine Karte mit einem biblischen Spruch – als Begleitung, Inspiration oder Anregung für das eigene Leben. Für Unentschlossene gibt es auch eine Reihe mit Überraschungen. In einer dieser Kisten liegt übrigens auch ein Gutschein für einen Kaffee mit den Schwestern. Es gibt also gute Gründe, sich ein Schächtelchen als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.
Wir möchten uns als Team von ausstellung leihen sehr herzlich für das Vertrauen und die wunderbare Zusammenarbeit bedanken. Wir wünschen der Ausstellung viele Besucher und Besucherinnen. Vor allem wünschen wir Ihnen, liebe Schwestern, mindestens 75 weitere Jahre als Communität.
Herzlichen Dank.
Der Künstler Ben Wesch hat eine Audio-Installation für das Kloster Schwanberg erstellt
Der Künstler Ben Wesch hat eine Audio-Installation für das Kloster auf dem Schwanberg erstellt
Eröffnung der Ausstellung / Bericht des Main-Echo