Hannah Schlegel | Fotografin
"Deep Looking" von Hannah Schlegel
Hannah Schlegel hat ihr Projekt "Deep Looking - Ein fotografischer Blick auf das Leben der Straße" beim LAGOIS Fotowettbewerb 2025 eingereicht und das Fotografie Stipendium gewonnen.
Für ihr Projekt portraitiert sie Menschen auf den Straßen Kölns, die sie berühren, inspirieren oder faszinieren. Es entstand und entsteht eine Dokumentation der Vielfalt menschlicher Existenz und Begegnung – unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Lebensumständen.
Das Projekt möchte die Menschen sichtbar machen – ohne Kategorisierungen, ohne Marginalisierung, ohne Urteile, ohne Wertung. Es geht um die Anerkennung der Menschlichkeit in all ihren Formen, um das Miteinander, das uns über Barrieren hinweg verbindet. Ursprünglich war die Idee, ausschließlich Obdachlose zu fotografieren, um ihre Geschichten und Gesichter sichtbar zu machen. Doch je mehr sich die Fotografin mit diesem Thema auseinandersetzte, desto mehr fiel auf: Diese Herangehensweise schafft eine unbeabsichtigte Kategorisierung – eine Trennung zwischen „uns“ und „ihnen“.
Hannah Schlegels Anliegen ist die Schaffung eines Gegenpols:
Ich möchte Barrieren abbauen, Schubladen öffnen und die Menschlichkeit in ihrer Gesamtheit feiern, zelebrieren, wahrnehmen, sehen, mit Licht zeichnen. Denn letztlich sind wir alle Teil eines größeren Ganzen, das sich in den alltäglichen Begegnungen auf der Straße manifestiert. Es geht mir nicht um spektakuläre Geschichten, sondern um die Authentizität des Augenblicks. Jede Begegnung ist ein Dialog, der oft nur flüchtig ist, aber dennoch eine tiefe Resonanz hinterlässt. „Reichtum“ wird oft durch materiellen Besitz, Geld oder wirtschaftliche Macht definiert. Doch in meinen Begegnungen mit Menschen auf der Straße wurde mir bewusst, dass Reichtum viel mehr ist: ein innerer Schatz, der in Erfahrungen, Erinnerungen, Emotionen und zwischenmenschlichen Verbindungen liegt.
In der Darstellung arbeitet Hannah Schlegel mit zwei Perspektiven. Diese setzen sich zusammen aus Intimen Porträts - Nahaufnahmen - welche die Individualität und Persönlichkeit der Menschen einfangen und szenischen Fotografien im urbanen Raum. Der Unterschied in der Perspektive ist nicht nur eine formale Entscheidung, sondern auch eine inhaltliche. Während das Porträt eine intime Begegnung ermöglicht und den direkten Dialog zwischen Fotograf und Abgebildetem schafft und betont, lenken die weiteren Aufnahmen den Blick auf das Zusammenspiel des Individuums mit dem öffentlichen Raum. Hier wird der Mensch nicht isoliert, sondern als Teil eines größeren sozialen und physischen Gefüges wahrgenommen.
„In der Straße, dem öffentlichen Raum, sind wir alle miteinander verbunden – in unserer Unterschiedlichkeit, in unserer Gemeinsamkeit.“
(Zitat von Flo - sich selbst als Obdachlos bezeichnend)
Hannah Schlegel ist Designstudentin mit Schwerpunkt Fotografie.
AUSSTELLUNG "WAS MACHT UNS REICH*ARM?"
Hannah Schlegels Fotografien sind Teil der Ausstellung "Was macht uns reich*arm?", die am 26. Oktober um 16:00 in Halle 7A auf der ConSozial Messe eröffnet wird.
Die Ausstellung kann schon jetzt als Plakat-Ausstellung in unserem Online-Shop vorbestellt werden.